Feuer unter dem Dach
Frischholz-Heizkraftwerk startet Testphase
Nach nur elf Monaten Bauzeit nahm die Biokraftgesellschaft Moers/Dinslaken (Biokraft) am gestrigen Mittwoch im Technologiepark Eurotec den Testbetrieb am ersten Moerser Frischholz-Heizkraftwerk (FHKW) auf. Eines der derzeit größten städteübergreifenden Bauobjekte der Region schreitet damit wie geplant voran und steht kurz vor seiner Vollendung. In den kommenden zehn Wochen wird ein Spezialistenteam die Anlagenteile nun auf Herz und Nieren prüfen. „Dabei stimmen wir einzelne Parameter an der Kessel- und Turbinenregelung sowie an der Prozess- und Leittechnik fein aufeinander ab", beschreibt Arno Gedigk als technischer Geschäftsführer der Biokraft die nächsten Schritte. Schon jetzt steht laut Gedigk fest: „Am 3. April werden wir die Anlage dann offiziell einweihen. Tags darauf können interessierte Bürger die Anlage besichtigen."
Gemeinsamer Weg
Auf dem rund 18.000 Quadratmeter großen Areal im Technologiepark Eurotec ist somit in Rekordbauzeit eine der aktuell modernsten Strom- und Wärmeproduktionsstätten am Niederrhein entstanden. Rund 12 Millionen Euro investierten die zu gleichen Teilen am Projekt beteiligten lokalen Energieanbieter Energie Wasser Niederrhein (ENNI) und Stadtwerke Dinslaken in den Ausbau ihrer eigenen Erzeugungskapazitäten. Gut für die Region: Aufträge gingen wo möglich an niederrheinische Unternehmen. „Profitieren wird aber auch die Umwelt", schwört auch die kaufmännische Geschäftsführerin Manuela Kemper-Wibelitz von diesem Kraftwerkstyp. „Das FHKW arbeitet als so genannte Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage, kann also sowohl die über heißen Wasserdampf anfallende Wärme nutzen als auch die thermische Energie über eine Turbine in Strom umwandeln." Weiterer Umweltvorteil: Das Kraftwerk wird dabei ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen, den sogenannten Nawarros, betrieben. Dieses Natur belassene Frischholz verbrennt Kohlendioxid(CO2)-neutral. Heißt: Bei der Verbrennung wird nur soviel CO2 freigesetzt, wie Bäume und Sträucher in früheren Zeiten aufgenommen haben. „Im Vergleich zum bundesdeutschen Strommix schaffen wir es mit diesem Kraftwerk somit, jährlich rund 17.000 Tonnen CO2 einzusparen." Für Bürger wird nach der Rauchgasreinigung aus dem Schornstein des FHKW so lediglich eine Wasserdampffahne sichtbar.
Gute Anbindung
Der im Eurotec produzierte Strom wird übrigens direkt ins Stromnetz der ENNI eingespeist, die Wärme in die an das Eurotec-Gelände grenzende so genannte Fernwärmeschiene des Fernwärmeverbund Niederrhein Duisburg/Dinslaken (FVN) geleitet. „Jährlich produzieren wir in Moers rund 18.750 Megawattstunden Strom und 63.750 Megawattstunden Wärme. Genug, um rund 5.300 Haushalte mit Strom und 3.200 Häuser Wärme für Heizung und warmes Wasser zu beliefern", so Gedigk.

