Großer Bahnhof auf freiem Feld
Es ist aktuell eines der größten, städteübergreifenden Bauprojekte der Region und es bedeutet den Einstieg in die umweltschonende Strom- und Wärmeerzeugung auf Moerser Boden. Zudem stärkt der Bau des so genannten Frischholz-Heizkraftwerkes (FHKW) im Moerser Gewerbepark Eurotec die Marktposition der beiden beteiligen Partner, der Stadtwerke Dinslaken (SWD) und der Energie Wasser Niederrhein (ENNI). Gute Argumente somit, den Baubeginn mit einer traditionellen Grundsteinlegung zu feiern. Der Einladung der Geschäftführer des Betreiberunternehmens, Biokraftgesellschaft Moers/Dinslaken (Biokraft), Manuela Kemper-Wibelitz und Arno Gedigk, folgten gestern rund einhundert geladene Gäste. Unter ihnen auch die Dinslakener Bürgermeisterin Sabine Weiss und ihr Moerser Amtskollege Norbert Ballhaus. Beide lobten die Weitsicht über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus und den Einstieg in die Stromerzeugung auf historischem Gelände.Neue ersetzt alte Energie
Traditionsreicher konnte der Standort des neuen Kraftwerkes tatsächlich kaum sein. Es wird genau dort stehen, wo bis 1990 die Zeche Rheinpreussen jahrzehntelang Steinkohle förderte. „Somit kehrt die Energiegewinnung an diesen Ort zurück", freut sich Ballhaus auch darüber, dass im Eurotec damit der letzte große weiße Flecken verschwindet. Auf dem rund 18.000 Quadratmeter großen Areal entsteht eine der aktuell modernsten Strom- und Wärmeproduktionsstätten am Niederrhein. Zahlreiche, vor allem niederrheinische Gewerke verbauen hier bis 2009 rund 12 Millionen Euro. So profitiert die Region gleich mehrfach. Schon im Juni wird die rund 22 Meter hohe Gebäudehülle stehen, der Schornstein wird diese nochmals um vier Meter überragen. In der zweiten Jahreshälfte soll die Anlage bei einer so genannten Kesseltaufe mit der Turbine ihr Herzstück erhalten. Voraussichtlich schon Ende 2008 wird die Biokraft im Eurotec jährlich rund 18.750 Megawattstunden Strom und 63.750 Megawattstunden Wärme produzieren. „Damit können wir rund 5.300 Haushalte mit Strom und 3.200 Häuser beheizen und mit warmem Wasser versorgen", so Kemper-Wibelitz.
Das Ein-Mann-Kraftwerk
Genau hier liegen auch für den technischen Geschäftsführer Arno Gedigk die Pluspunkte des FHKW. „Es arbeitet als so genannte Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage, kann also sowohl die über heißen Wasserdampf anfallende Wärme nutzen als auch die thermische Energie über eine Turbine in Strom umwandeln." Ideal: Der dort produzierte Strom wird direkt ins Stromnetz der ENNI eingespeist, die Wärme in die an das Eurotec-Gelände grenzende so genannte Fernwärmeschiene des Fernwärmeverbund Niederrhein Duisburg/Dinslaken (FVN) geleitet. Die Anlage arbeitet vollautomatisch. „Ein Mitarbeiter bedient sie vor Ort", so Gedigk. „Den Rest überwachen wir über die zentrale Leitstelle der FVN in Dinslaken aus der Ferne."
Navarros verbrennen CO2-neutral
Wegen der Umweltvorteile gab die Bezirksregierung Düsseldorf schon im Oktober 2007 grünes Licht. „Sie genehmigte den Bau und Betrieb in einem so genannten vereinfachten Verfahren", verweist Kemper auf die umweltschonenden Eigenschaften dieses Kraftwerkstyps. Weiterer Beweis: „Eine Umweltverträglichkeitsprüfung entfiel nach einer standortbezogenen Vorprüfung gänzlich." Auch wirtschaftlich ist das Kraftwerk deswegen interessant. Es wird über das so genannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. In der Tat arbeiten FHKWs dieses Bautyps hoch modern und tragen so zu einer sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung der Zukunft bei. Sie produzieren den Strom für Mensch und Natur schonend. Denn als Brennstoff kommt ausschließlich Natur belassenes Frischholz, so genannte Navarros, zum Einsatz. Die verbrennen Kohlendioxid(CO2)-neutral. Heißt: Bei der Verbrennung wird nur soviel CO2 freigesetzt, wie Bäume und Sträucher in früheren Zeiten aufgenommen haben. „Im Vergleich zum bundesdeutschen Strommix schaffen wir es mit diesem Kraftwerk somit, jährlich rund 17.000 Tonnen CO2 einzusparen", ist Gedigk von der Technik überzeugt. Für Bürger wird nach der Rauchgasreinigung aus dem Schornstein des FHKW lediglich eine Wasserdampffahne sichtbar. Zuständige Behörden überwachen den Betrieb dabei dauerhaft. „Dieser ist somit transparent, Grenzwerte werden sicher eingehalten", verspricht Gedigk. Und auch der Schallpegel wird sich in einem für Gewerbegebiete unter den Grenzwerten liegenden Pegel halten. „Die Turbine ist schallisoliert."
Frisches Holz aus der Region
Knapp 40000 Tonnen Frischholz werden jährlich verfeuert. 90 Prozent davon deckt die Biokraft aus einem Vertrag mit einer auf Holzeinkauf spezialisierten Einkaufsgesellschaft. Für Kemper-Wibelitz zudem entscheidend: „Die restlichen zehn Prozent der Brennstoffe akquirieren wir sogar als Strauchschnitt direkt vor der Haustüre, über die Servicebetriebe der Städte Moers und Neukirchen-Vluyn."

